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Rheinheimer J, Hassler M (2018) Die Blattkäfer Baden-Württembergs
expand article infoChristoph Germann
‡ Naturhistorisches Museum Basel, Basel, Switzerland
Open Access

Karlsruhe, Kleinsteuber Books, 928 S. Preis ca. € 80

Schillernde Juwelen auf Pflanzen. Manchmal eine einzelne prächtig glänzende Chrysolina oder Oreina am Wegrand, dann wieder riesige Mengen an kleinsten springenden Blattflohkäfern (Alticinae) auf einem Kreuzblütler. Die Blattkäfer im weiteren Sinn (Chrysomelidae, Orsodacnidae und Megalopodidae) fallen auf, gefallen und faszinieren. Auf der Suche nach Käfern in der Natur draussen führt kein Weg an diesen Familien vorbei. Zahlreich sind die Kolleg/innen, welche dadurch immer wieder «fremdsammeln» und überraschend eine Ansammlung an Blattkäfern hervor zaubern. Meist jedoch ohne Artdiagnose und mit der leisen Hoffnung die Tiere irgendwann einmal bestimmt zu bekommen. Umso erfreulicher, dass nun erstmals ein wirklich bild- und wissensgewaltiges Buch von 2.25 kg über diese lebenden Juwelen verfügbar ist. Viel wurde geschrieben über die Blattkäfer im deutschsprachigen Raum, so viel, dass die verwendete Literatur im neuen Werk von Joachim Rheinheimer und Michael Hassler auf die tatsächlich relevante gekürzt werden musste. Trotzdem sind die Referenzen sehr vollständig. Wie auch die Artenportraits, welche gleich die Blattkäfer-Fauna ganz Deutschlands abdecken. Hier greift sogar der Buchtitel etwas zu kurz! Von der Aufmachung her erinnert der Blattkäfer-Band stark an denjenigen der Rüsselkäfer, er wurde jedoch noch ergänzt: Auf stolzen 928 Seiten werden 543 Arten besprochen. Die grosszügige Einleitung auf über 150 Seiten beleuchtet alle wichtigen Bereiche, von der Lebensraumvielfalt bis zu möglicherweise symbiotisch lebenden Wolbachia-Bakterien. Eine detaillierte faunistische Liste für Baden-Württemberg mit Angaben zur Gefährdung schliesst sich an. Starke 610 Seiten umfasst der eigentliche Kernbereich des Buches: die ausführlichen Artenportraits mit Einblick in Biologie und Mikrohabitate. Wiederum sind – grün hinterlegt – übersichtliche Bestimmungstabellen für die fortgeschrittenen Anwender/innen beigelegt. Die 82 Bildtafeln mit perfekt wirkenden Habitusbildern stammen von Lech Borowiec und wurden für den vorliegenden Band lizenziert. Zudem wurden Bilder sämtlicher bestimmungsrelevanter Genital-Strukturen angefügt, eine äusserst hilfreiche und für eine korrekte Diagnose unverzichtbare Ergänzung. Besonders bei heimlichen Arten der Alticinae mit hohen Biotopansprüchen besteht faunistisch und biologisch (Larvalstadien!) weiterer Forschungsbedarf, auch darauf wird verwiesen, so dass Nachwuchsforscher/innen zukünftig diese «weissen Flecken» gezielt angehen können und sollen. Schlichtweg atemberaubend sind die Portrait-Fotos lebender Alticinae, welche bei geringster Störung gewaltige Sprünge weit aus dem Fangradius des Interessierten ausführen, wie jede/r feldkundige Koleopterologe/in weiss.

Allen Naturbeobachtenden sei das Werk wärmstens empfohlen. Ganz egal was über Blattkäfer herausgefunden werden möchte, die «Die Blattkäfer Baden-Württembergs» helfen weiter, dies selbst im grössten Teil der gebirgigen Schweiz, «fehlen» hier doch nur rund 40 alpin bis mediterran verbreitete, zusätzlich vorkommende Arten. Auch für professionelle Anwender/innen ist die weit gestreute Information zu diesen Käferfamilien aus derart vielen Quellen noch nie in solch einem übersichtlichen und ansprechenden Format zusammengestellt worden.