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Zweiter Nachtrag zur Rüsselkäfer-Fauna der Schweiz (Coleoptera, Curculionoidea)
expand article infoChristoph Germann
‡ Naturmuseum Solothurn, Solothurn, Switzerland
Open Access

Abstract

Second addition to the checklist of Swiss weevils (Coleoptera, Curculionoidea)

The number of reliably recorded taxa (species and subspecies) of Curculionoidea from Switzerland reaches at present 1080. Catapion vulnerariae (Dieckmann & Wanat, 1991), Otiorhynchus lugdunensis Boheman, 1843 and Tychius trivialis Boheman, 1843 are here recorded for the first time from Switzerland. Additional data on distribution and biology is given for 16 species.

Zusammenfassung

Die Anzahl der verlässlich nachgewiesenen Rüsselkäfer (Arten und Unterarten) aus der Schweiz liegt gegenwärtig bei 1080 Taxa. Catapion vulnerariae (Dieckmann & Wanat, 1991), Otiorhynchus lugdunensis Boheman, 1843 und Tychius trivialis Boheman, 1843 werden hier erstmals für die Schweiz gemeldet. Für 16 Arten werden zusätzliche Angaben zu Verbreitung und Biologie gegeben.

Key Words

faunistics, species list, Curculionoidea, checklist, new records, Switzerland

Einleitung

Die im 2010 vorgestellte Checkliste der schweizerischen Rüsselkäfer (Germann 2010) und deren Supplement im Folgejahr (Germann 2011), wurde zwei Jahre später durch einen ersten Nachtrag ergänzt (Germann 2013a). Um den erneuten Anpassungen in Nomenklatur, Taxonomie und Faunistik gerecht zu werden, wird hier ein zweiter Nachtrag gegeben.

Beim Aufarbeiten von Otiorhynchus-Arten der Untergattung Nihus Reitter, 1912 wurde festgestellt, dass sich unter O. subcostatus Stierlin, 1866 eine weitere Art (O. muffi Germann, 2014 (Germann 2014a)) versteckt, welche in der Schweiz im Graubünden vorkommt. Zudem konnten alle Funde der fälschlicherweise wiederholt als Otiorhynchus azaleae Penecke, 1894 bestimmten Art, der parthenogenetischen Form von O. gredleri Daniel & Daniel, 1898 zugeordnet werden. Auch aus dem Graubünden meldete Germann (2014b) Donus segnis (Capiomont, 1867) erstmals für die Schweiz und aktuelle Nachweise von Notaris aethiops (Fabricius, 1793) aus dem Münstertal (Germann 2016a) bestätigten erstmals dessen vermutetes Vorkommen in der Schweiz. Zudem wurden Funde von Curculio vicetinum Cussigh, 1989 kürzlich aus dem Zoo Basel gemeldet (Germann 2014c). Pedroni and Bariffi (2014) untersuchten das Gebiet der Denti della Vecchia (TI) und meldeten Trachyphloeus laticollis Boheman, 1834 erstmals sicher für die Schweiz, was die als unsicher eingestufte Erwähnung durch Fontana (1947) vor der gründlichen Überarbeitung der Gattung durch Borovec (1989) nun doch bestätigen dürfte. Germann and Wymann (2014) meldeten Gasterocercus depressirostris (Fabricius, 1792) erstmals für die Schweiz. Germann et al. (2015c) konnten die mit einer Bemerkung versehene alte Angabe von Lixus vilis (Rossi, 1790) durch aktuelle Funde aus dem Wallis belegen und damit bestätigen. Aus der Stadt Zürich konnte im 2015 mit Euophryum confine (Broun, 1881) ein weiteres Neozoon gefunden werden (Germann et al. 2015a), dasselbe mit Naupactus cervinus Boheman, 1840, welcher erstmals aus dem Tessin gemeldet wurde (Germann 2016b). Giusto and Germann (2015) entdeckten Loborhynchapion amethystinum (Miller, 1857) im Binntal für die Schweiz. Haran et al. (2016) konnten bei der Überprüfung von Exemplaren einer bisher unbestimmt gebliebenen Pissodes-Art aus dem Alpenraum - darunter auch ein Exemplar aus der Schweiz - den Erstnachweis des bisher nur aus Russland bekannten Pissodes irroratus Reitter, 1899 für Europa erbringen.

Weitere Fundmeldungen für Kantone und/oder biogeografische Regionen ergaben Arbeiten von Germann (2013b) und Barbalat et al. (2015) über die Rüsselkäferfauna von Neuchâtel, Germann (2014d) zu Datonychus urticae (Boheman, 1845), von Germann (2014e) über Ceutorhynchus perrisi Brisout de Barneville, 1869 aus dem östlichen Jura, von Herger et al. (2015) über Lichtfallenfänge aus dem Tessin, Huber and Büche (2014) über die Käferfauna eines Gebirgs-Urwalds aus dem Graubünden, Germann et al. (2015b) über die alpine Käferfauna des Furkapasses und Germann (2016c) über Funde aus dem Appenzell, sowie Ergebnisse des Geo-Tages der Artenvielfalt bei Tschlin im Unterengadin (Germann and Keller, im Druck).

Im Folgenden werden weitere faunistisch interessante Funde gemeldet.

Material und Methoden

Folgende Abkürzungen werden verwendet:

cCG Sammlung Christoph Germann (Rubigen BE)

cFW Sammlung Fridolin Weber (Niederurnen GL)

cGA Sammlung Georg Artmann (Olten SO)

cSB Sammlung Stève Breitenmoser (Changins VD)

cYC Sammlung Yannick Chittaro (Conthey VS)

BNM Bündner Naturmuseum, Chur

NMBE Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern

NML Natur-Museum Luzern

NMSO Naturmuseum Solothurn

Resultate und Diskussion

In der Tab. 1 werden alle Funde seit dem Erscheinen der Checkliste der Rüsselkäfer der Schweiz (Germann 2010) übersichtlich zusammengefasst.

Übersicht über die Arten, welche seit dem Erscheinen der Checkliste im 2010 neu für die Schweiz gemeldet wurden oder deren Vorkommen bestätigt werden konnten (chronologisch geordnet).

Gattung/Art biogeogr.Regionen Erstmeldung
Gymnetron aper Desbrochers, 1893 2 Caldara 2008 (Germann 2013a)
Minyops variolosus (Fabricius, 1775) 1 2 4 6 Osella and Bellò 2010 (Germann 2013a)
Archarius ziliolii Diotti & Caldara, 2013 6 Diotti and Caldara 2013
Lixus scolopax Boheman, 1835 2 Germann 2013a (Bestätigung)
Rhinusa vestita (Germar, 1821) 4 Germann 2013a
Sitona lineellus (Bonsdorff, 1785) 4 5 Germann 2013a
Otiorhynchus muffi Germann, 2014 5 6 Germann 2014a
Donus segnis (Capiomont, 1867) 5 Germann 2014b
Curculio vicetinus Cussigh, 1989 2 Germann 2014c
Gasterocercus depressirostris (Fabricius, 1792) 1 2 Germann and Wymann 2014
Trachyphloeus laticollis Boheman, 1834 6 Pedroni and Bariffi 2014
Lixus vilis (Rossi, 1790) 2 4 6 Germann et al. 2015 (Bestätigung)
Loborhynchapion amethystinum (Miller, 1857) 4 5 Giusto and Germann 2015
Notaris aethiops (Fabricius, 1793) 5 Germann 2016a
Euophryum confine (Broun, 1881) 2 Germann et al. 2016
Naupactus cervinus Boheman, 1840 6 Germann 2016b
Pissodes irroratus Reitter, 1899 4 Haran et al. 2016
Gonotropis gibbosa Le Conte, 1876 2 5 Germann et al. 2017a (anstatt G. dorsalis (Gyllenhal, 1813)
Catapion vulnerariae (Dieckmann & Wanat, 1991) 4 in dieser Arbeit
Otiorhynchus norici Alonso-Zarazaga, 2013 5 Germann and Keller, im Druck
Tychius trivialis Boheman, 1843 6 in dieser Arbeit
Otiorhynchus lugdunensis Boheman, 1843 1 2 in dieser Arbeit

Apionidae

Apioninae

Aspidapion validum (Germar, 1817)

Untersuchte Exemplare: 2 Ex. BL, Binningen, Sternwarte Umgb., 15.6.2014, leg. C. Germann (cCG). 9 Ex. ZH, Bonstetten, Ligusterweg (Garten), 4.8.2014. 4 Ex. Dito, 24.8.2014, alle leg. M. Balkenohl (NMBE). 3 Ex. SO, Solothurn, Basler Tor, an Altea rosea, 7.7.2016, leg. C. Germann (NMSO). 2 Ex. BE, Elfenau, 4.8.2016, an Altea rosea leg. C. Germann (cCG). 2 Ex. GL, Haslen, Bärensol, 1000 m, 28.8.2016, Altea rosea, leg. C. Germann (NMSO).

Bemerkung: Erst kürzlich (Germann 2013a) wurden aktuelle Funde dieser Adventivart entlang des Rheins aus dem Graubünden gemeldet. Hier weitere Funde, die ein deutliches und rasches Vorrücken Richtung Westen aufzeigen.

Catapion vulnerariae (Dieckmann & Wanat, 1991)

Untersuchte Exemplare: 4 ♂, 5 ♀. VS, Binn, W Giesse Camping, Wanderweg-Rand, 1460 m, 9.6.2015, leg. C. Germann (cCG, NMBE).

Bemerkungen: Die Tiere wurden direkt an Anthyllis vulnerariae gesammelt. Bisher blieben Aufsammlungen an derselben Pflanze in vielen Gebieten der Schweiz ohne Nachweise, umso erstaunlicher war der vorliegende Nachweis aus dem Binntal. Beschrieben wurde die Art, welche morphologisch kaum von Catapion seniculus (Kirby, 1808) zu trennen ist, aus Österreich (Burgenland) von Fundorten aus der Umgebung Wiens: Breitenbrunn, Oslip, Zurndorf, Zeilerberg, Eichkogel, Panzergraben (Dieckmann and Wanat 1991). Bisher keine Nachweise ausserhalb Österreichs. Neu für die Schweiz.

Curculionidae

Cryptorhynchinae

Acalles fallax Boheman, 1844

Untersuchte Exemplare: 2 Ex. SO, Hofstetter-Chöpfli, 2.10.2013, leg. C. Germann (cCG).

Bemerkungen: Bisher lag nur ein Fund aus dem Kanton Zürich vor (Stüben et al. 2003). Erstmals weitere Belegtiere, welche im untersuchten Gebiet nur entlang von Quercus pubescens-Beständen entlang der Felsköpfe des Chöpflis aus der Laubstreu gesiebt wurden.

Gasterocercus depressirostris (Fabricius, 1792)

Untersuchte Exemplare: 1 Ex. (Fotobeleg) BE, Landiswil, Chratzme (Kiesgrube), Schweizer Koordinaten: 617.440 / 200.149, 875 m, Lichtfang, 25.8.2016, vid. T. Schulz, U. Beutler & T. Fähnrich (non leg.).

Bemerkungen: Seit den Erstnachweis im 2013 (Germann and Wymann 2014) sind nun weitere Funde der Art hinzugekommen. Eine unbestimmte Anzahl an Tieren wurde zudem in der Nähe des Flughafens Zürich im 2014 gefangen (anonyme Quelle).

Curculionidae

Curculioninae

Anthonomus bituberculatus Thomson, 1868

Untersuchte Exemplare: 1 ♀, VS, Branson bis Martigny-Combe, 500 m, 25.5.2001, leg. C. Germann (cCG). 1 ♂, 1, ♀, VS, Branson, 15.3.2017, an Prunus, leg. C. Germann (cCG).

Bemerkungen: Bisher lag nur ein alter Funde aus der Schweiz aus Vouvry (VS, 21.6.1959, leg. & coll. P. Scherler, NMBE) vor (Germann 2010). Hier erstmals neuere Nachweise, zwei davon interessanterweise von Prunus spinosa geklopft, an einem trockenheissen Standort.

Anthonomus brunnipennis Curtis, 1840

Bemerkungen: Germann et al. (2017b) untersuchten im Rahmen des SwissBOL-Projekts die schweizerischen Exemplare von A. rubi, sowie vermeintliche von A. brunnipennis (aus grösserer Höhe von Dryas octopetala gesammelt). Basierend auf der klassischen Barcode-Sequenz (COI) konnten keine relevanten Unterschiede festgestellt werden, allerdings zeigten die Exemplare verschiedener Populationen (und von verschiedenen Frasspflanzen gesammelt) eine gewisse Heterogenität. A. brunnipennis dürfte nicht bei uns vorkommen und muss somit von der Checkliste gestrichen werden.

Dorytomus salicis Walton, 1851

Untersuchte Exemplare: 27 Ex. BE, Wachseldornmoos, 1000 m, 17.5.2014, leg. C. Germann (cCG, NMBE, NMSO).

Bemerkung: Diese bisher nur in einem Dutzend Exemplaren belegte Art, welche jedoch aus allen biogeografischen Regionen vorliegt, wurde zahlreich von kleinblättrigen Salix spp. am Rand eines Teichs und inmitten von Feuchtwiesen auf montaner Höhenlage geklopft.

Tychius trivialis Boheman, 1843 (Abb. 2A–B)

Untersuchte Exemplare: 1 ♂, 1 ♀. TI, Rovio, 4.7.1978, leg. P. Scherler (NMBE, cCG), det. R. Caldara 2014.

Bemerkungen: Die Art kann mit Tychius squamulatus Gyllenhal, 1836 verwechselt werden. Sie lebt an verschiedenen Astragalus-Arten. Neu für die Schweiz.

Abb. 1. 

A. Von Rudolph Meyer-Dür gesammeltes (genadeltes) Exemplar des Tamariskenrüsslers Coniatus wenckeri aus Aarau (Girix); B. Originaletikette vor 1885. Heute ist die Art in der Schweiz verschollen (Fotos: C. Germann).

Abb. 2. 

A. Tychius trivialis Männchen, TI Rovio; B. Dito Weibchen (Fotos: C. Germann).

Curculionidae

Bagoinae

Bagous robustus H. Brisout, 1863

Untersuchtes Exemplar: 1 ♀, BE, Bgf . s.s. [handschriftlich: „Burgdorf sehr selten“; ein altes historisches Exemplar, vermutlich von Rudolph Meyer-Dür gesammelt] (NMSO).

Bemerkung: Erstmals von Germann (2007) sicher aus der Schweiz (Nidau) gemeldet, hier ein weiterer Nachweis.

Curculionidae

Ceutorhynchinae

Rhinoncus henningsi Wagner, 1936

Untersuchte Exemplare: 4 Ex. BE, Wachseldornmoos, 1000 m, 12.6.2013, leg. C. Germann. 8 Ex. Dito, 17.5.2014, leg. C. Germann. 1 Ex. Dito, 3.7.2014, leg. C. Germann (cCG, NMBE, NML).

Bemerkung: Wenig gemeldete Art. Im Gebiet wurde die Art zahlreich in Feuchtwiesen an Polygonum bistorta gefunden.

Curculionidae

Entiminae

Charagmus gressorius (Fabricius, 1792)

Untersuchte Exemplare: 1 Ex. SO, Kestenholz, Kiesgrube Dickban, Kiesflächen mit Ruderalflur, Lehmhänge, am Rand Binsensumpf und kleine, blumenreiche Fettwiese, Schweizer Koordinaten: 625.100 / 235.450, 440 m, 2. 9. 2011, leg. G. Artmann (cGA). 1 Ex. VD, Bucley, Schweizer Koordinaten: 500.080 / 138.694, 574 m, 12.6.2014 leg. Y. Chittaro (cYC). 1 Ex. VD, Trélex, 505.120 / 140.218, entre Migerendes et Les Luex, 23.7.2013, 485 m, leg. S. Breitenmoser. 6 Ex. VD, Trélex, Schweizer Koordinaten: 505.120 / 140.218, entre Migerendes et Les Luex, 16.8.2013, 485m, leg. S. Breitenmoser. 1 Ex. VD, Givrins, Schweizer Koordinaten: 504.254 / 143.171, en Pont Tremblay, 12.4.2015, 598 m, leg. S. Breitenmoser (teilweise in cSB).

Bemerkung: Erstmals weitere aktuelle Funde der erst im 2008 für die Schweiz bestätigten, auffälligen Art (Germann 2009).

Otiorhynchus lugdunensis Boheman, 1843

Untersuchte Exemplare: 1 ♂, 1 ♀, VD, Lausanne, 25.3.1950, leg. P. Scherler (NMBE). 1 ♀ SO, Welschenrohr, Schweizer Koordinaten: 606.750/ 236.650, 800 m , 4.5.2006, leg. M. Fluri (NMBE).

Bemerkung: Neu für die Schweiz. Erst kürzlich (Magnano and Alonso-Zarazaga 2013) wurde die Synonymie mit O. tenebricosus (Herbst, 1784) berechtigterweise wieder aufgehoben. Zur Unterscheidung sei auf Germann (2013a) verwiesen. Mittlerweile wurden Proben von O. lugdunensis auch auf molekularer Ebene untersucht (Stüben et al. 2015), dabei konnte durch Barcoding (COI) 11.4 % Unterschied zu O. tenebricosus festgestellt werden.

Otiorhynchus morio (Fabricius, 1781)

Untersuchte Exemplare: 1 ♀, TI, Mendrisio, 1.7.1933, leg. & coll. W. Burghold (NMBE).

Bemerkung: Erstmeldung aus dem Tessin. Auch aus Norditalien sind Funde bekannt (Colonnelli 2003), trotzdem erstaunt es, dass von der ansonsten auf montaner Lage häufig vorkommenden Art keine weiteren Funde aus dem TI bekannt geworden sind.

Sitona tenuis (Rosenhauer, 1847)

Untersuchte Exemplare: 5 Ex. VS, Binn, Giesse, Campingplatz, 9.6.2015, leg. C. Germann (cCG).

Bemerkungen: Die Tiere wurden von Astragalus onobrychis und A. monspessulanus gesammelt. Frassexperimente zeigten, dass auch diese hier erstmals dokumentierten Fabaceae angenommen werden. Dieckmann (1980) gab folgende Gattungen an: Lotus, Ononis, Medicago, Melilotus, Trifolium, Vicia.

Curculionidae

Hyperinae

Coniatus wenckeri Capiomont, 1868 (Abb. 1A)

Untersuchte Exemplare: 2 ex. AG, Aarau, Girix, „auf Tamarix germanica gefunden im September“ (handschriftlich, Abb. 1B), leg. R. Meyer-Dür [ohne Datum](NMSO).

Bemerkung: Erste Funde aus dem Raum Aarau, welche durch Nachweise weiterer Tamariskenbewohner im Gebiet (siehe Germann 2010) gestützt werden. Die Tiere wurden von Rudolph Meyer-Dür (1812–1885) gesammelt. C. wenckeri ist gegenwärtig für die Schweiz als verschollen zu betrachten.

Hypera striata (Boheman, 1834)

Untersuchtes Exemplar: 1 ♀ VD, Grens, 12.8.2014, leg. S. Breitenmoser (cSB). Erstnachweis für VD. Bisher aus GE und NE gemeldet (Germann 2007, 2011, 2013b).

Curculionidae

Lixinae

Lixus iridis Olivier, 1807

Untersuchte Exemplare: 1 Ex. SZ, an der Linth, 80er Jahre (cFW).

Bemerkungen: Ein weiterer Fund dieser mittlerweile selten gewordenen Art, welche an Apiaceae in Feuchtgebieten lebt. Ein aktuelles Vorkommen in der Linthebene sollte unbedingt überprüft werden. Im Zuge der Renaturierung von Teilen des Linthlaufs könnte die Art profitieren.

Lixus punctiventris Boheman, 1835

Untersuchte Exemplare: 1 Ex. GR, Churwalden-Malix, Sennereiweg 8, Handfänge, Schweizer Koordinaten: 759.790/ 186.710, 1120 m, 25.5.2005, leg. U. Schneppat (BNM).

Bemerkung: Neu für GR und biogeografische Region 5.

Rhynchitidae

Rhynchitinae

Lasiorhynchites praeustus (Boheman, 1845)

Untersuchte Exemplare: 1 Ex. GR, Scuol, 20.9.1971, coll. H. Pochon (NMBE). 1 Ex. TI, Alpe Vicania, 670 m, Schweizer Koordinaten: 714.644/ 087.180, 1.7.2011, leg. Y. Chittaro (cYC).

Bemerkung: Nach dem bestätigenden Fund aus dem Tessin, bereits gemeldet durch Sanchez et al. (2015), hier erstmals ein Fund aus dem Graubünden und biogeografische Region 5.

Nomenklatur

Die angegebene Seitenzahl bezieht sich auf die Checkliste (Germann 2010). Alonso-Zarazaga (2014) konnte einige von Johann Christian Fabricius vergebene Namen klären. Dies führte zu folgender Konsequenz:

- Seite 91, Gattung Exomias Bedel, 1883: E. holosericeus (Fabricius, 1802) ist ein älteres Synonym von E. chevrolati (Boheman, 1842) und besitzt somit Priorität über dieses.

Huang and Colonnelli (2014) gelang die überraschende Entdeckung, dass Rhinoncus castor (Fabricius, 1787) nun Rhinoncus pericarpius Linné, 1758 heissen muss. Die Verwechslung geht auf eine Fehlbestimmung Paykulls ins Jahr 1792 zurück. Die bisher als R. pericarpius angesprochene Art heisst nun Rhinoncus leucostigma (Marsham, 1802).

Stüben and Bayer (2015) synonymisierten die bisher morphologisch nur schwer und unsicher unterscheidbaren Taxa Sitona lateralis Gyllenhal, 1834 (synonym zu S. suturalis Stephens, 1831) und Otiorhynchus smreczynskii Cmoluch, 1868, welcher als parthenogenetische Form synonym zu O. rotundus Marseul, 1872 ist.

Nachträge zu historischen Literaturangaben

Zu Ceutorhynchus ignitus Germar, 1824 kann folgende bisher übersehene Fundangabe zu den bisherigen Meldungen, welche in Germann (2006, 2010) zusammengefasst sind, ergänzt werden: Heinze (1933) „Umgebung Basel“.

Rehfous (1955) stellte zudem eine Übersicht von auf Pilzen gefundenen Insekten auf, darin enthalten sind auch einige Curculionoidea, welche damals durch Georges Toumayeff bestimmt wurden. Der Nachweis von Exomias (= früher Barypeithes) mollicomus (Ahrens, 1812) kann somit unter der Bemerkung 15 (S. 108 in der Checkliste) als erster Fund für GE (Malagnou 28.6.1953) und zwei weiteren Nachweisen aus VD (Vendôme 28.6. 1953 und Trélex 5.6.1954) ergänzt werden. Allerdings liegen noch immer keine überprüften Belegtiere aus der Schweiz vor. Dies trotz der eingehenden Überprüfung von Belegtieren am Muséum d‘ histoire naturelle de la Ville de Genève, wo die Sammlung von Marcel Rehfous (1886-1976) im Jahr 1970 Eingang fand. Was mit dem Belegtier geschah, ist ungeklärt.

Die Meldung von Baromiamima (= früher Omias) concinna (Boheman, 1834) mit den Angaben von drei Fundorten im Kanton Waadt (Vendôme 29.5.1950, Trélex 29.5.1950 und Saint-Cergue 25.6.1950) durch Rehfous (1955) dürfte, wie bereits die historischen Meldungen der Art in Stierlin and Gautard (1867) von „Genf“ und „Jura“ (beide durch Henry Tournier), auf eine Fehlbestimmung zurückzuführen sein. Möglicherweise könnten sich die Angaben auf Omias rotundatus (Fabricius, 1792) beziehen, welcher allerdings bisher nicht für GE gemeldet wurde. Auch hier fehlen die Belegtiere.

Cleopomiarus longirostris mequignoni (Hoffmann, 1939) wurde auf der Grundlage von Exemplaren aus Savoyen und Tieren von Champéry im Val d‘Illiez beschrieben. Hoffmann (1939) fand die Tiere in den Blüten von Colchicium im Juli. Eine Nachsuche und ein Vergleich mit longirostris s. str. zur Abklärung der Unterart-Berechtigung dürfte sinnvoll sein

Danksagung

Michael Balkenohl (Bonstetten), Stève Breitenmoser (Changins), Fridolin Weber (Niederurnen), Ueli Schneppat (BNM) und Yannick Chittaro (CSCF) danke ich herzlich für die Möglichkeit der Überprüfung ihrer Belegtiere. Ursula Beutler (Arni) danke ich herzlich für die Mitteilung ihres Fundes. Für die Möglichkeit der Untersuchung im Gebiet des Hofstetter-Chöpfli danke ich Christian Sütterlin (Revier am Blauen), für diejenige im Wachseldornmoos Tom Leu (Amt für Natur, Kanton Bern).

Literatur

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